Nachdem ich meinen Kurs für Publikationsdesign zweimal am RMIT Vietnam durchgeführt hatte, beschloss ich, eine Publikation über Buchgestaltung zu initiieren, genauer gesagt, eine Präsentation von Arbeiten von Studierenden aus den Jahren 2017 und 2018, um die Idee von: „Print is not dead“ zu unterstützen. Das Buch ist – unterstützt vom Fachbereich Design und von der Beanland Library, Saigon South Campus – im März 2019 erschienen. „I used to leave books in my motorbike trunk. But now, since I partly understand how much love writers and designers put into, I hold, open and read them with all my respect. Gaining knowledge in a course is its obvious goal. But changing attitudes towards things around is definitely not something many courses can achieve.“Nguyen Ha Giang, student & book award winner, 2018 Projekt: Publikation „Print is not dead“Beitrag: Mitherausgeberin, Autorin, Konzept, KreativdirektionHochschule: School of Communication & Design, RMIT VietnamJahr: 2019 (ISBN 978-1-922016-48-5)
Signs of Saigon
Signs of Saigon dokumentiert und untersucht Typografie im Stadtraum von Saigon und darüber hinaus. Während meiner Arbeit am RMIT Vietnam, Saigon South Campus, hatte ich die Chance, meine Leidenschaft für typografische Funde in ein akademisches Forschungsprojekt zu verwandeln, das sich mit der „visuellen Identität der Stadt“ befasst. Besuche dafür auch gerne die Projekt-Webseite: signsofsaigon.com Handbemalte Schilder sind ein wichtiger Teil in der Entwicklung unserer visuellen Kultur, aber in den heutigen europäischen Stadtzentren fast ausgestorben. In vielen Ländern der Welt stehen sie auf der Liste der „gefährdeten Arten“ und werden durch digital hergestellte und oft weltweit standardisierte Schilder ersetzt. Dies gilt auch für Vietnam und noch mehr für sein wirtschaftliches Machtzentrum Ho-Chi-Minh-Stadt – dem ehemaligen Saigon. Ich möchte die BetrachterInnen auf eine Reise zu Ihrer eigenen Geschichte und insbesondere in die bewegte Geschichte von Saigon mitnehmen. Ich habe einen einzigartigen Kulturschatz ausgemacht, lokale Handschriften und handgemalte Schilder auf den Straßen Vietnams und in Saigon dokumentiert – aber auch auf lokalen Märkten abseits der ausgetretenen Touristenpfade oder in romantischen indochinesischen Bildern. Mithilfe meines wertschätzenden Umgangs mit diesen alltäglichen Zeichen möchte ich ihre künstlerische Kraft und Schönheit offenbaren. Im Rahmen meines Forschungsprojekts untersuchte ich den Stil der Schilder und identifizierte eine grafische DNA, die sie verbindet. Und mein akademischer Ansatz geht noch einen Schritt weiter. Ich ehre diese Kunstwerke und das kulturelle Erbe, indem ich den unbekannten Künstlern in ihren späten Jahren einen Besuch abstatte. Meine Dokumentation und die erworbenen Erkenntnisse bewahren einen Teil der Schönheit Vietnams, die täglich mehr und mehr verschwindet. Dieses Bild wurde im Bình Tây Markt, Chợ Lớn, Distrikt 6 in Saigon, Vietnam, am 10. November 2016 aufgenommen, einige Tage bevor der Markt wegen Renovierung geschlossen wurde. Die Beschilderung ist leider der Renovierung zum Opfer gefallen. Projekt: Signs of Saigon, dokumentiert und untersucht Typografie im StadtraumBeitrag: Fieldtrips, Fotografie, Interviews, LiteraturrechercheJahr: 2016 – bis heuteTeilweise finanziert durch RMIT Vietnam, Saigon South Campus
Lehre: Buchgestaltung
Print is not dead – in diesem Projekt hatten die Studierenden die Möglichkeit, das Buch als ein Medium zu erforschen, das vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bietet, menschliche Bedürfnisse befriedigt und gleichzeitig mehrere unserer Sinne nährt. Ein Medium das eine unvergleichliche, immersive Erfahrung bieten kann. Darüber hinaus hatten die Studierenden die Aufgabe, ein Konzept zu entwickeln, wie eine Publikation mithilfe digitaler Technologie, wie z.B. Augmented Reality, bereichert oder erweitert werden kann. Die Studierenden nutzten die Gelegenheit, das Medium zu erforschen und – durch die freie Wahl ihres Themas – auch sich selbst: ihre Herkunft und ihren kulturellen Hintergrund, Ideen, die ihnen am Herzen liegen, Botschaften und Erfahrungen, die sie teilen möchten. Storytelling war ein wichtiger Bestandteil des Lehrplans und einige machten in diesem Projekt erste Erfahrungen als AutorIn, IllustratorIn oder beides. Ein Bücherstapel, der nach dem ersten Kurs im Januar 2017 präsentiert werden konnte. Wie kann man „grün“ werden, ein nachhaltigeres Leben führen, warum sich nicht von Ameisen inspirieren lassen? Giang Nguyen Ha gab viele Empfehlungen und zeigte zum Beispiel, wie man aus Müll ein eigenes Papier machen kann (Januar 2018). Le Hoang Huong Nhi zeigt anhand der Gedichte ihres Großvaters, wie man ein Leben in vollen Zügen leben kann, auch in späten Jahren: „Loving the Salt & Pepper Live“. „Die Methode von Himmel & Erde, verlorenes Qi wiederherzustellen“ ist eine Inspiration für junge Menschen, sich für die traditionelle Medizin zu interessieren. Weitere Bilder aus dem Buch von Ta Quang Huy finden Sie in seinem Behance-Profil. Tran Nu Hoang Kim, die darüber nachdachte, eine Drucksache mit digitaler Technologie aufzuwerten, entwickelte für ihr Buch eine Augmented Reality App, die mythische Kreaturen der indianischen Kultur zeigt: „The Realm of Spirits“. „Superstrings to the rescue“ ist ein wissenschaftliches Kunstbuch über die Stringtheorie, eine zeitgenössische Idee in der theoretischen Physik. Das Buch wurde zu Nguyen Ngoc Tuong Minhs persönlicher ästhetischer Übersetzung der Sprache der Stringtheorie. Über den KursDie Studierenden lernten nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch bei verschiedenen Aktivitäten, Exkursionen, Ausstellungsbesuchen oder in der Bibliothek. Gemeinsam mit Clare O’Dwyer, der Leiterin der Beanland Library auf dem Campus, entwickelte ich einen Book Award, der in jedem Semester gewonnen werden konnte, gepaart mit einer Ausstellung in der Library. Darüber hinaus wurden die Bücher der Preisträger in den Bestand der Bibliothek aufgenommen. Ich lud Long Dang, den Gründer des Buchprojektes „Saigon Art Book“, und Giang Nguyen Hung, den Designer des neuesten Buches, ein, um über zeitgenössische vietnamesische Buchgestaltung zu sprechen. Wir unternahmen Exkursionen zu einer Offset Druckerei und zur Ausstellung des Type Directors Club, die vom deutschen Goethe-Institut in Ho-Chi-Minh-Stadt organisiert wurde. Besuch einer Offsetdruckerei Ausstellung des Type Directors Club, organisiert vom Goethe-Institut Weitere Beispiele für studentische Arbeiten Modul: ProjektBeitrag: Idee, Kursdesign, LehreProgramm: Bachelor of Design (Digital Media)Hochschule: School of Communication & Design, RMIT VietnamJahr: 2016 – 2018
Lehre: Typografie
Wie unterscheiden sich Buchstaben in ihrer Grundform? Welche Beziehungen ergeben sich, abhängig von ihrer Position im zweidimensionalen Raum? Wie können wir Lesbarkeit fördern und verhindern? Wie wirken sich „Konstruktion und Dekonstruktion“ auf Grundformen von Buchstaben aus? – Dies waren einfache Forschungsfragen, mit denen die Studierenden im Modul: Typografie, das ich am RMIT Vietnam leitete, zu arbeiten begannen. Von Hand und auf Papier. Im zweiten Schritt nutzten sie die Ergebnisse bei der digitalen Arbeit, um in einer Posterserie eine starke Botschaft zu vermitteln. Die Themen waren frei wählbar: Menschenrechte, gesellschaftliche Fragen, Gesundheit, Umweltschutz, oder ähnliches… Die interaktive Plakatserie von Nguyen Chanh Minh visualisiert Empfehlungen des „Ministry of Social Wellbeing“, aber nicht ohne sie zu hinterfragen: auf einer zweiten Ebene, die auf Knopfdruck offenbart werden konnte. Nguyen Thai Ha erinnert uns daran, dass wir für die Rettung gefährdeter Tiere verantwortlich sind. Le Hoang Minh Nhat stellt drei Attraktionen aus seiner Heimatstadt im Mekong-Delta vor. Er untersucht und verwendet dabei Elemente, die er dem „vietnamesischen Stil“ als zugehörig erachtet: handgemalte und dreidimensionale Typografie, und typische Kachelmuster aus seiner Stadt. Tran Hanh Vy über Selbstvertrauen Nguyen Ngoc Tra My über Drogenabhängigkeit Hand made Typography-LabInnerhalb der analogen Laborstunden hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, mit einfachen, auf Papier gedruckten Buchstabenformen zu arbeiten, ihre Form und Beziehungen zu erforschen und frei zu experimentieren. Die Übungen bauten aufeinander auf. Beispielhafte Ergebnisse von verschiedenen Studierenden Modul: TypografieBeitrag: Kursdesign, LehreProgramm: Bachelor of Design (Digital Media)Hochschule: School of Communication & Design, RMIT VietnamJahr: 2017
Typografie im Stadtraum, Saigon
Saigon ist eine Megastadt mit mehr als 10 Millionen Einwohnern, das wirtschaftliche Zentrum einer ehemals französisch kolonialisierten, sozialistischen Republik mit kapitalistischer Marktwirtschaft. Saigon ist eine Stadt der Gegensätze, eine Stadt mit einer bewegten Geschichte und eine Stadt, die sich auf dem Weg in die Zukunft fast selbst überholt. All dies zeigt sich im Stadtbild, in der Architektur, in den Märkten, aber auch in der Typografie im Stadtraum. Projekt: Dokumentation typographischer Ereignisse im StadtraumEntdeckungen und Untersuchungen zum Thema „Handschrift“ Beitrag: Idee, Exkursionen, Fotografie, Instagram AccountJahr: 2015 bis heute
trytype – experiments in typography
Nachahmen dringend erwünscht! Die Ergebnisse der Studierenden des Seminars „Experimentelle Typografie“ wurden in einem Buch präsentiert – von den Studierenden selbst gestaltet und herausgegeben von Linotype Library. Nach einer theoretischen Einführung in die historische Entwicklung und Bedeutung der experimentellen Typografie, wurden das Thema des Seminars und das Making-of der Kunst vorgestellt. Jedes Werk ist mit einer spielerischen Anleitung und der Dokumentation der verwendeten Schrift versehen, um die Gemeinschaft der Leser zum Nachahmen, zum Experimentieren und zur Integration experimenteller Typografie in ihre tägliche Arbeit zu inspirieren. AwardsSilbermedaille bei der Printers Club-Auszeichnung von M-Real, 2005, HamburgSilbermedaille beim DDC-Wettbewerb „Kommunikation vernetzt“ 2005, Frankfurt am Main Projekt: Buch „trytype – experiments in typography“Mergenthaler Edition Linotype Library, Bad HomburgISBN 3-9810-319-1-1 Autoren: Professor Guido Ludes, Steffi W. NeukirchenBeitrag: Konzept, Gestaltung, KreativdirektionHochschule: Hochschule RheinMain, WiesbadenKooperationspartner: Linotype Library, Bad HomburgJahr: 2005
Experimentelle Typografie
„Typografie kann unter Umständen Kunst sein“ – diese Behauptung stammt von Kurt Schwitters, dem deutschen Künstler, Maler, Dichter und Werbegrafiker, Mitbegründer der Kunstrichtung Merz, später als Dada bekannt – auch oder vielleicht gerade dann, wenn man sie nicht mehr lesen kann. Unter anderem auf Schwitters Spuren bewegten wir uns im Seminar „Experimentelle Typografie“ an der Hochschule RheinMain. Modul: Experimentelle TypografieBeitrag: Lehre zusammen mit Professor Guido Ludes, eigene experimentelle ArbeitenExkursion zum Gutenberg-Museum, Mainz, Workshop in der dortigen Buchdruck Werkstatt Hochschule: Hochschule RheinMain, WiesbadenJahr: 2003 und 2004